Mittwoch, 9. Mai 2012

Verzicht & Versuchungen

Ich habe schon so etwa 1 Millionen Diäten ausprobiert. Mein grundsätzliches Fazit ist: Sie funktionieren nicht und alles was man davon am Ende hat sind blanke Nerven.
Mittlerweile achte ich darauf, nicht zu wenig zu essen, um nicht irgendwann ein ausgehungertes, miesgelauntes Monster zu werden. Ich bin nicht besonders gut im Verzicht üben und meiner Erfahrung nach stopfe ich nach zu langem Fasten sowieso ganz wahllos alles was ich finden kann in mich hinein. 


Ich achte auf ausgewogene Mahlzeiten und das was ich koche ist sowieso meistens nicht das Problem. Bei den Hauptmahlzeiten hab ich eigentlich inzwischen den Dreh raus, obwohl ich früher nie vorm Herd stand. In den letzten Tagen gab's bei mir Linsensuppe mit Räuchertofu, Mörengemüse mit Kartoffeln und Petersilie, Salat mit Tomaten, Gurken, Bohnen und frischen Kräutern, Rotkohl und Kartoffeln und Vollkornbrot mit Soja-Tzatziki. Und zum Frühstück und als Snack Obst und Nüsse

Das bewahrt einen jedoch nicht vor Frust-Fressattacken. 
Obwohl ich mich immer sattesse packt mich irgendwann doch der Heißhunger. Wenn ich mies drauf bin greife ich eigentlich schon immer zu Süßigkeiten als Stressdämpfer. Hilft natürlich nicht gegen das eigentliche Problem. Jetzt wo ich mir Süßigkeiten und Alkohol auch noch verboten habe, will ich das Zeug umso mehr.

Ich glaube langsam ich will es nur, weil ich es nicht haben kann. 

(c) by asmartblond

Wenn um einen herum überall Versuchungen lauern ist es besonders schlimm. Am Sonntag wurde mein Durchhaltevermögen gleich doppelt auf die Probe gestellt: Ich war nämlich auf zwei Geburtstagsfeiern. Bei meinem Onkel gab's ein komplettes veganes Buffet (seine ganze Familie lebt vegetarisch/vegan) und mein Freund hat seinen Geburtstag im Nuco (Nudeln&Co) in Düsseldorf gefeiert. 
Der Laden hat ein all you can eat Angebot, bei dem allerdings fast nichts vegetarisches auf der Karte steht. Im Nuco war das Hauptproblem für mich die Sache mit den Cocktails. Ich liebe, liebe, liebe Cocktails. Aber ich weiß ja, Alkohol macht dick und krank und Kopfweh hat man auch am nächsten morgen. Und außerdem bin ich ja auf Diät. Den ganzen abend Wasser trinken wollte ich aber auch nicht.
Ich hab also mit mir selbst nen Kompromiss beschlossen und alkoholfreie Mojitos und Ipanemas bestellt. Da ist viel Eis und Limette drin, dann trinkt man automatisch weniger, hab ich mir gedacht. Bei der Zuckerschicht am Boden des Glases hatte ich allerdings schon wieder ein schlechtes Gewissen. 

Ich will mich ja aber auch nicht kasteien. Nur weil ich verzichte, heißt das nicht, dass ich nicht mehr genießen darf. Ich denke, ich muss einfach meine Einstellung ändern. "Nicht können" und "Nicht dürfen" sollte ich am besten komplett aus meinem Wortschatz entfernen. Das ist ein bisschen wie mit dem Verzicht auf Tierprodukte, die ja durchaus auch ganz schmackhaft aussehen/sein können. Statt zu sagen "Ich kann keinen Kuchen essen, da sind Eier drin." muss es ab sofort einfach heißen "Ich will keinen Kuchen, ich weiß schließlich wo die Eier herkommen und mir tun die Hühner leid.". 
Wenn ich mir immerzu einbilde ich verzichte und stecke zurück macht mich das nachher noch ganz mürbe in der Birne. Also: positive thinking.

Ich darf schließlich und ich kann auch. Ich will nur im Moment nicht. 

Hasenfuß.

Samstag, 5. Mai 2012

Die dicke Veganerin

In letzter Zeit bin ich wahnsinnig unzufrieden mit mir und meinem Körper. Ich hab in den letzten Monaten ca. 5 Kilo zugenommen und fühl mich müde, antriebslos und schlichtweg mies. Mein Freund und mein Umfeld leiden unter meinen Stimmungsschwankungen und ich selbst fühle mich geradezu depressiv. 

Wenn man so durch die veganen Blogs, Bücher und Internetportale störbert sollte man meinen, Veganer wären allesamt gesund, fit und gertenschlank. Von mir selbst kann ich das jedenfalls nicht behaupten.

Es ist nicht schwierig eine dicke Veganerin zu sein. Es gibt vegane Kartoffelchips, Cupcakes, Kuchen, Puddings und Eiscreme. Ich hab meinen früheren (sehr exzessiven) Lebensstil zwar verändert, aber die gelegentliche Tüte Chips in Kombination mit dem abendlichen Bier macht sich definitiv auf meinen Hüften bemerkbar und das drückt auf meine Stimmung.

Es wird Zeit das zu ändern. Ich hab mich gestern auf Diät gesetzt und mir ein paar Ziele aufgeschrieben, die ich in der nächsten Zeit umsetzen möchte.
Um mich selbst ein wenig anzutreiben und um sicher zu gehen, dass ich nicht frühzeitig das Handtuch schmeiße, will ich in den nächsten Wochen versuchen mein Verhalten in meinem kleinen food journal und hier im Blog zu dokumentieren.

 
Mein Plan: 
  • Kein Alkohol mehr 
  • Ernährungstagebuch führen
  • regelmäßige Mahlzeiten (3 am Tag + 1 gesunder Snack)
  • ungesunde Snacks durch Obst und Gemüse ersetzen
  • mindestens 2 l Wasser pro Tag trinken
  • 3 x pro Woche Sport
  • 1 x pro Woche Schwimmen
Meine Ziele:
  •  10 kg verlieren
  •  Tattoo-termin am 5. September 
Zu Abi-Zeiten vor zwei Jahren hab ich nen ähnlichen Plan gehabt, nur war das die Zeit als ich Vegetarierin wurde und die Pfunde sowieso nur so purzelten, da das ganze Fleisch und die vielen Hamburger aus meiner Ernährung ja plötzlich gestrichen waren.
Seit dem gammelt mein Mitgliedsausweis fürs Fitnessstudio nur so in meinem Portemonnaie herum und alte Gewohnheiten haben sich wieder bei mir eingeschlichen.  

Was mir zu der Zeit sehr geholfen hat war ein Ernährungstagebuch zu führen und alles was ich esse aufzuschreiben. Das verschafft Übersicht über eigene Essgewohnheiten und ich bin neurotisch genug keine Chips zu essen, wenn ich Hemmungen habe es dann auch noch aufzuschreiben.Genau das werd ich jetzt wieder machen.

Obwohl ich Sport hasse, muss es sein. Mit gesunder Ernährung allein, werde ich es nicht schaffen abzunehmen also versuche ich das ganze positiv zu sehen und mich auf all die angeblichen Endorphine zu konzentrieren, die man ja beim Sport ausschütten soll...

Mein Ziel ist es, dass ich in 4 Monaten so zufrieden mit mir bin, dass ich mir endlich das Tattoo machen lassen kann, das ich mir schon so lange wünsche. Daher die eingeplanten Schwimmbad besuche. Ich will, dass mein Rücken top aussieht, wenn ich ihn im September tattoowieren lasse. Am 5. September bin ich außerdem 1 Jahr vegan, das scheint mir also ein guter Zieltermin zu sein.
In diesem Sinne: Let the Hunger Games begin ...



Freitag, 27. April 2012

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche


"Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche lädt am Samstag, 28. April 2012 ab 11 Uhr zu einer Großveranstaltung mit Demonstrationszug durch die Stadt sowie Livemusik, Infoständen, Redebeiträgen und veganen Imbissständen auf den Bremer Marktplatz ein. Anlass ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche und insbesondere die Forderung des Vereins nach einem Stopp der in Bremen noch immer praktizierten Hirnforschung an Affen.

Allein im Jahr 2010 mussten fast drei Millionen Tiere in deutschen Labors für wissenschaftliche Zwecke leiden und sterben"
Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Nur noch mal als kleine Erinnerung. Ich hoffe es kommen soviele Leute wie möglich! Treffpunkt ist der Bremer HBF ab 11 Uhr.


Sonntag, 22. April 2012

Was man von Kindern lernen kann

Tja da gibt's doch immer diese schöne Anekdote von Harvey Diamond: "Legen Sie mal einen Apfel und ein Kaninchen einem Kind in sein Bettchen. Wenn das Kind das Kaninchen ißt und mit dem Apfel spielt, dann kaufe ich Ihnen ein neues Auto." 

Ich glaube als Kind weiß man instinktiv, dass es nicht richtig ist Lebewesen zu töten oder Tiere zu essen. Sicher, man denkt irgendwann nicht mehr darüber nach, schließlich sorgen ja in erster Linie die Eltern dafür, was auf den Tisch kommt und was gegessen wird. Aber die erste Reaktion, die ich als Kind hatte, als ich erfuhr, dass für einen Schweinebraten auch tatsächlich ein echtes Schwein sterben muss, war die Nahrungsverweigerung. Das hielt natürlich nicht an und ich hatte dieses Erlebnis auch soweit verdrängt bis ich schließlich selbst zur Vegetarierin und dann zur Veganerin wurde.

In letzter Zeit schaue ich dann aber meiner kleinen Schwester oder meinen kleinen Cousinen über die Schulter beim lesen oder fernsehgucken und bemerke Kleinigkeiten, die mich eigentlich schon als Kind in diese Richtung hätten treiben sollen.

Erst vor kurzem bin ich auf den Familienfilm Charlotte's Web gestoßen. 



Gleich zu Beginn des Films gibt es eine entscheidende Szene, in der Wilbur das kleine Ferkel von einem kleinen Mädchen namens Fern vor dem sicheren Tod gerettet wird. Wilbur ist der Kleinste in seinem Wurf und soll als schwächliches Ferkel gleich geschlachtet werden. Die Szene gibt's hier zu sehen. Das kleine Mädchen lehnt sich gegen ihren Vater auf und fragt ihn "Wie kannst du nur so herzlos sein?". Ich finde die Szene insgesamt zwar etwas pathetisch (gut ist ja auch ein Kinderfilm) aber den anklagenden Unterton finde ich schon ziemlich interessant.
In der Zeichentrickversion ist das ganze sogar noch ein bisschen dramatischer (und somit realistischer) aufgezogen: hier die Zeichentrickversion von Charlotte's Web.
Davon mal abgesehen, dass kein Kind nach diesem Film mehr Lust auf Bacon haben sollte finde ich besonders spannend, dass man im Laufe des Films sogar mit der Spinne Charlotte sympathisiert. Als die Spinne am Ende des Films stirbt habe ich tatsächlich ein paar Tränchen verdrückt, obwohl ich mich normaler Weise sehr bei diesen Tieren anstelle und ekele. 



Als ich selbst noch ein Kind war habe ich den Film "Ein Schweinchen namens Babe" rauf und runter geguckt. Dass ich nicht schon damals dem Fleisch abgeschworen habe, wundert mich ehrlich gesagt heute noch. Zu sehen wie liebenswürdig sogenannte "Nutztiere" sind und gleichzeitig an seinem "Happy Meal" von McDoof rumzumümmeln ist für mich ein unerklärlicher Widerspruch, mit dem ich aufgewachsen bin und der mich bis heute schwer verwirrt. 


Diese Widersprüche scheinen allerdings für die meisten zum Alltag geworden zu sein. Ferkel sind süß - und gleichzeitig lecker. Kälbchen sind niedlich - aber Kalbsleberwurst gehört auf die Stulle.
Ich weiß nicht, ob es viele Kinder gibt die sowas googlen, aber um euch mal einen Eindruck von meinem Dilemma zu geben:


DAS ist eines der Bilder, die man in der Suchausgabe für die Begriffe "Schweinchen Babe" ganz vorne an findet. Ich kann mir gut vorstellen, wie soetwas Kinder verwirrt. Unsere Handlungen stehen unseren Werten und Einstellungen gegenüber. Es will einfach nicht zusammenpassen. Dabei wäre es doch so einfach.

Fern's Vater sagt im Kinderfilm zu seiner Tochter: "Fern, du musst lernen dich zu beherrschen. Es geht doch nicht anders."
Doch es geht auch anders. Jeder hat die Wahl und kann sich für oder gegen das tote Tier auf seinem Teller entscheiden.

Ich denke von Kindern und auch von Kinderfilmen kann man ne Menge lernen.
Mein Lieblings Disneyfilm war als ich klein war "Arielle, die kleine Meerjungfrau". 
Der Film hat diesen interessanten Perspektivenwechsel gleich zu Anfang: 
Man sieht ein Schiff auf dem Prinz Eric mitsegelt und die Fischer darauf erzählen ihm das Seemannsgarn von König Triton und den Meermenschen. Dabei werfen sie gefangene Fische von einem Netz in große Holztonnen. Einer der Fische schafft es dem Seemann zu entwischen und springt über Bord, zurück ins Meer. Plötzlich verändert sich der Zeichenstil. Aus den großen leeren Fischaugen und dem offenem Schnappmund wird ein Gesicht und man sieht wie der Fisch panisch wegschwimmt und als er endlich in Sicherheit ist, ganz erleichtert aufatmet und lächelt.
Seht es euch hier einfach selbst an, falls ihr euch nicht mehr sogut daran erinnert oder den Film gar nicht kennt. Ich finde das filmtechnisch sehr gut gemacht. Als Kind hatte ich immerzu Mitleid mit diesem einen Fisch und hab mich gefreut, dass er seinem Schicksal entronnen ist. 
Mein großer Bruder ist Angler und meint, Fische spüren keinen Schmerz. Die bekommen es nicht mit, wenn man sie totschlägt. Und ich hab jahrelang schön weiter Fischstäbchen von Captain Inglo gefuttert, manchmal sogar während ich mir Arielle mit ihren Meerestierfreunden angesehen habe. Vielleicht hilft einem die Tatsache, dass es Zeichentrick ist, ja darüber hinweg das Gesehene mit der grausamen Realität in Verbindung zu bringen? Was meint ihr?

Fallen euch auch solche Beispiele für gelungene Filme mit tierfreundlicher Botschaft ein? 
Habt ihr euch vielleicht auch selbst als Kind so hin und her gerissen gefühlt? 
Was haltet ihr von den beiden Filmen, wie würdet ihr sie aus heutiger Sicht bewerten?

Hasenfuß