Samstag, 4. Februar 2012

Wenn Funken überspringen . . .

Ich verzeichne in letzter Zeit immer mehr kleine, private Siege :)

War gerade eben bei meiner Großmutter und halte ein kleines Pläuschchen und was sehe ich da auf der Küchentheke? Agavendicksaft.
Wenig später macht meine Omi sich einen Kakao. Mit Sojamilch.
Und steckt mir zum Abschied noch ne Tafel dunkle Schokolade ohne Milch zu. 
Vor einem Jahr hat sie mir noch erklärt, dass sie Veganismus total extrem findet.
Jetzt findet sie es offenbar extrem toll :)

Ich beobachte neuerdings, dass mein Umfeld langsam anfängt umzudenken und freue mich natürlich drüber, denn  jede nicht gekaufte Packung Milch ist für mich ein kleiner Triumph. 



Meine Mutter zum Beispiel kocht neuerdings mit Sojasahne und Magarine statt Butter. Zugegeben macht sie das oft, damit ich mit meiner Familie mitessen kann und nicht selbst kochen muss. Trotzdem. Das bedeutet immerhin, dass kein neues Päckchen Kuhsahne angebrochen wird. 

Letztens hat sie sogar eine Linsensuppe mit Räuchertofu statt Speck zubereitet. Woraufhin mein großer Bruder natürlich die Nahrungsaufnahme verweigert hat ("Iiih Tofu!"). Dem Rest der Familie hat es aber geschmeckt. Und wie kann man Leute besser von der veganen Ernährung überzeugen als durch gutes Essen? 

 Manchmal hat man als einzelne Person eben doch mehr Einfluss auf sein Umfeld als man denkt.
Ein Freund sagte am Anfang meiner Vegetarierzeit zu mir:
"Damit bewirkst du eh nichts. Die Industrie juckt das nicht, ob du auf dein Schnitzel verzichtest."

Es bleibt eben nicht nur bei der privaten Kaufentscheidung sondern man bringt Steine ins Rollen und Leute ans denken. Ich komme mit Leuten ins Gespräch. Nehme Einfluss.

Und selbst, wenn ich nicht ständig predige und Leuten meine Einstellung auf die Nase binden muss, reicht es manchmal eben schon, wenn man beim Kaffee bestellen nach der Sojamilch fragt. Ich lebe schließlich nicht allein und isoliert auf der Welt, die Leute kriegen mit, was ich mache und denken sich ihren Teil.
Sie haben plötzlich ein Bild zu dem Wort "Vegan" im Kopf.
 Sie wissen was damit gemeint ist oder forschen vielleicht auf eigene Faust nach.
Sie sehen, dass ich nicht am Hungertod nage, nicht blass und nicht ausgemergelt oder krank bin.

Meine Bilanz bisher:
- Mein Freund ist Vegetarier geworden, verzichtet neuerdings auf Eier und nimmt Sojamilch im Kaffee.
- Eine Freundin hat für einen Monat auf Fleisch verzichtet, um "zu sehen wie das so ist"
- Meine Ma nimmt beim Kochen Rücksicht und kocht öfter vegetarisch
- Ein Freund verzichtet neuerdings auf Fleisch und bestellt beim vegetarischen Imbiss, statt beim Pizzamann

Natürlich sprießen durch meine bloße Anwesenheit nicht plötzlich überall Veganer aus dem Boden. Aber ich hab das Gefühl zumindest einen kleinen Beitrag zu leisten. ♥

Hasenfuß

Kommentare:

  1. Dein Post muntert einen richtig auf!! Ich finds klasse, dass dein Umfeld so cool reagiert.
    Bei mir kann ich das leider noch nicht behaupten. Es gibt nur kleine Aussnahmen aber im Großen und Ganzen werd ich noch als Sonderling behandelt :(

    Naja kommt Zeit kommt Rat...hoff ich;)

    ein schönes Wochenende noch!

    lg Nicole

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  2. Das tust du! Du leistest einen besseren Beitrag als jede Tierrechtsdemo, denn gerade wenn du nicht predigst, sondern ein glücklicher Veganer bist, erreichst du sooo viel! Und du tust etwas gegen das extreme Klischee von Veganern. Ich freue mich sehr über deine Erfolge. :) Ich habe mich auch wie verrückt gefreut, dass unsere Kantine letzte Woche ein Gericht als vegan auszeichnete, nachdem ich die Woche davor ein Gespräch mit dem Koch hatte. Kleine Schritte sind manchmal wertvoller als ein Holzhammer.

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  3. Das ist doch klasse. Es geht ja nicht darum, dass alle aus deinem Umfeld es dir gleichtun und plötzlich vegan leben. Aber dass sie sich damit auseinandersetzen und Alternativen zu tierischen Produkten testen, ist auf jeden Fall toll.
    Ich verstehe sehr gut, dass du dich darüber freust, mir geht es immer genauso, wenn ich explizit vegane Produkte in Haushalten entdecke :-)

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  4. Ich wünschte, das wäre in meinem Umfeld auch so. Aber step by step gewöhnen die sich daran. Und mit Essen kann man immer überzeugen ;-)

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  5. Ich bin ja schon ein bisschen neidisch. Mein Umfeld reagiert leider komplett wie dein Bruder ("Ihhh Tofu"). Mein Vater kostet zwar mal ab und an das, was ich so koche...aber ihm ist es nach fast einem Jahr immer noch zuwider, dass ich viel mit angeblichem "Gen Soja" koche, meine Mutter ist vom Typ "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht". Viele Bekannte fragen immer, ob ich immer noch diese verrückte "Diät" mache oder ob ich endlich von meinem Ökotrip runter bin. Direkte Rücksicht nimmt keiner, ich bringe Essen selbst mit oder koche für mich extra, wenn ich nicht jedes Wochenende Kartoffeln und Beilagen bzw. Gemüsesuppe essen will.
    Was mich aber aufregt ist, dass meine Eltern eine extreme "aus Prinzip" Abneigung gegen Bioprodukte (außer bei Eiern) haben. Sie denken es sei eh alles Schwindel und glauben nicht, dass in konventioneller Milch etc. Antibiotika drin ist, obwohl sie beide, und das ist der Witz, aus der Landwirtschaft kommen.
    Mein Trost bleibt dabei immer die gute Vegan Community und das steigende Angebot...überhaupt die Aufmerksamkeit, die die vegetarische bzw. vegane Lebensweise in letzter Zeit bekommt.

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    1. Oh glaub mir meine Eltern waren auch nicht von Anfang an so begeistert. Selbst jetzt sind sie immer noch skeptisch. Meine Freunde genauso. Die warten manchmal regelrecht darauf nen "Fehler" an mir zu finden. "HAHA, du weißt schon, dass in den Nudeln Ei drin ist!?" ALs hätten sie mich bei einem Verbrechen erwischt und mich als Heuchlerin entarnt. Ich krieg auch noch oft genug zu hören, dass ich n Öko/ne Petaterroristin usw. bin.
      Áber das geht mir zum einen Ohr rein und zum anderen raus.

      Meine Mutter wollte mir am Anfang meiner Ernährungsumstellung nicht mal glauben, dass Kühe zum Milch geben kalben müssen. "Die müssen gemolken werden, sonst platzen die!", hat sie zu mir gesagt. So "aus Prinzip"-Haltungen kenn ich also auch zu genüge.

      Vielleicht braucht es bei deinem Umfeld nur ein bisschen mehr Zeit und Überzeugungsarbeit :) Hab Geduld und mach einfach weiter wie bisher.
      Wenn sie's nicht verstehen lernen, dann werden sie sich zumindest dran gewöhnen!

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  6. Wegen mir sind auch schon verdammt viele Menschen vegan oder vegetarisch geworden, das ist ein schönes Gefühl :)

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